In der Stadt herrscht Fieber. Nein, kein grippaler Infekt, sondern Fastnacht!
Seit Wochen lesen wir täglich in der Zeitung über Veranstaltungen und Sitzungen.
Viele Jahre waren wir begeisterte Karnevalisten, mit Freunden sind wir zu Sitzungen gegangen, haben keinen Rosenmontagball im „Halben Mond“ verpasst. Mit einem Mal, vor 5 Jahren, war die Luft raus, wir und unsere Freunde haben keine Lust mehr gehabt. Aber es ist kein Problem, zur Fastnacht muss man sich nicht zwingen. Vielleicht ist nächstes Jahr wieder anders.
Aber Heppenheim feiert eifrig. Auch ohne uns.
Fastnacht ist nicht nur Spiel und Spaß, sie ist auch eine ernste Angelegenheit. Hinter der „Maske“ werden Themen angesprochen, die uns berühren und ärgern, politische, soziale, lokale – gnadenlos, ironisch, sarkastisch, lustig. Und das alles im hepprumer Dialekt.
Gestern, an Weiberfastnacht, haben traditionell Frauen das Spiel bestimmt. Wie jedes Jahr haben die Veggelsbecher – eine Frauengruppe aus Hambach, maskiert als alte Weiber (die wahren Gesichter bleiben immer verborgen) die Stadt mit Erfolg unsicher gemacht.
Karneval aus meiner Kindheit, das waren fein angezogene Eltern, Mutter mit Ballkleid (diese Kleider habe ich heimlich so gern angezogen!), die zum Tanzen gegangen sind. Hier steht tanzen nicht im Vordergrund. Man verkleidet sich und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. In den Tagen sieht man Indianer beim Einkaufen, Fliegenpilze an der Ampel, einen Clown am Steuer. Alles ist OK, die Gestallten sind auf dem Weg irgend wohin, wo es lustig ist. Die Verkleidung macht die Menschen auch etwas anonym, mancher Pharao findet seinen Spaß mit einer Schneeflocke, oder Biene Maja erobert einen Willi…
Jede Gruppe, Organisation, Stadtteil haben ihre Fastnachtveranstaltungen. Das Schöne an einer kleinen Stadt ist wieder, dass man die Akteure kennt. Gestern Arbeitskollegin oder Nachbar, heute politischer Meckerer, Büttenredner, Sexualtherapeutin (mache dir einen Schnitzel-Tattoo, dann wir der Mann wieder Appetit bekommen).
Jeder in Heppenheim kennt Habafa in Hambach, gute 5 Stunden Programm, dieses Jahr unter Motto „Brasilien, Samba und Helau“.
Nicht zu Schlagen ist die Frauenbund-Fastnacht, wo nur Frauen Zugang haben, und der Pfarrer (der fastnächtlich sehr aktiv ist, und so-wie-so geschlechtslos), eventuell der Kaplan und der Bürgermeister.
Die Aktiven der Fastnacht werden für ihre Verdienste mit Orden ausgezeichnet. Die Anderen kaufen sich für 2,50€ Anhänger, Anstecker (jedes Jahr neu), mit denen man sich dekoriert, am besten alles auf einmal. Dieses Jahr gibt es den „Blinki“ – Anstecker mit Autos und blinkenden Lämpchen.
Das größte Ereignis ist die Straßenfastnacht mit dem Umzug, am 22.02. Und die lassen wir uns nicht entgehen!
Obwohl es leider kalt und regnerisch angesagt ist. Na, mal schauen…