Noch eine Jubiläumserinnerung (150 Jahre unserer Zeitung).
1997 wurde am Rand der Altstadt ein neues Hotel „Ramada“ gebaut. Drei alte Fachwerkhäuser in der Strasse Kleine Bach haben die Pläne der Architekten gestört, vor allem in der Tiefbauphase (Tiefgarage). Haus Nr. 14 steht seit dem Jahr 1430 und ist das älteste Haus in der Stadt. Der Verein der Altstadtfreunde und eine große Front der Befürworter haben die Stadt und den Bauherren zum Umdenken gezwungen, die Häuser mussten erhalten bleiben. Die Häuser 14 und 16 wurden abgetragen, gelagert und später etwas versetzt vom alten Standort im Originalzustand wiederaufgebaut.
Das Haus Nr. 12, bekannt als Haus Laumann, hat auch überlebt. Das Fachwerkgerippe wurde mit einem Spezialkran „huckepack“ in die Höhe gehievt und 50 Meter weiter in einer Seitengasse zur Zwischenlagerung abgesetzt. Das heißt Translozierung. An den Tag und das riesige Medieninteresse kann ich mich gut erinnern, ich bin auch extra in die Stadt gefahren, denn man sieht schließlich nicht jeden Tag Häuser am Himmel.
Ich kann mich erinnern, wie sich die Seile gespannt haben, wie das Holz knarrte und stöhnte, als die Konstruktion Zentimeter für Zentimeter angehoben wurde. Spannung stieg an. Und plötzlich wurde es unruhig, die Aktion wurde gestoppt, das Haus zurückgestellt. Der Kran war nicht stabil, brauchte mehr Gewichtplatten, die erst mit speziellem Transport geholt werden mussten. In paar Tagen neuer Versuch – diesmal ist alles glatt gelaufen. Wir haben das Haus Laumann oben, über unseren Köpfen gesehen.
Es wurde von oben in die leere Gasse, die nicht viel größer war als das Haus selbst, auf eine extra angefertigte Betonplatte abgestellt, wo es fast ein Jahr auf die Rückfahrt gewartet hat, bis die Erdarbeiten und die Tiefgarage fertig waren.
Original nachgebaut, ins Hotel integriert, beherbergten die Mauern paar Jahre eine stilvolle Cocktail-Bar. Aber wir waren nie drin. Das Hotel hat schon mal den Namen geändert, dann wieder. Jetzt ist es „Park in“. Die alten Fenstern sind zugehängt und dunkel. Vielleicht arbeitet man an einer neuen Idee…
Wenn man die Kleine Bach lang geht, denkt man heute nicht mehr an die Ereignisse. Aber wenn wir mit Gästen in der Altstadt spazieren, gehören die Häuser natürlich zum Programm.