Zum 17. mal verwandelt sich die Stadt in eine bunte riesige Bühne. Der Rummel vom Weinmarkt ist noch nicht ganz vergessen und schon pulsiert es wieder in den alten Mauern.
Die Gassensensationen, das ist ein Internationales Straßentheaterfestival. In vier Tagen zeigen uns 13 Ensembles und Akteure aus Deutschland und Ausland, vierzig Aufführungen, an verschiedenen Plätzen: Markt, Domplatz, Schulhof, Festzelt (stehengeblieben nach Weinmarkt) und eine große Platane, die mit ihren breiten Ästen als Bühne dient.
Sie künstlerische Leitung hat Stefan Behr, der vor Jahren durchreisend nach Heppenheim gekommen und begeistert von der Stadt, hier geblieben ist.
Heppenheim hat jährlich eine eigene Produktion, diesmal über Romeo und Julia, aber etwas anders.
Hunderte Menschen spazieren in den Gassen oder eilen schnell zum anderen Schauort. Mit Programm in den Händen und richtiger Planung kann man mehrere Sachen nacheinander schauen.
Die ganze Veranstaltung ist offen und frei. Jede Vorführung beendet ein lautes Klappern der Sektkübeln, wo Dankspenden gern angenommen werden. Das System funktioniert dank der Sponsoren (Sparkasse, Stadt, Entega) und dem Förderkreis, der mittlerweile 700 Mitglieder zählt (wir sind auch dabei) und nur 15 € jährlich kostet – aber so viel bewirkt.
Die kürzeste Darstellung dieses Jahr dauert 15 Minuten, ein Balanceakt, aber man verspricht uns unvergessliche Eindrücke. In der Platane kann man täglich von 19:00 bis 24:00 pausenlos Pantomime schauen. Sehr interessant sind immer die Vorführungen auf der Freilichtbühne, denn die Atmosphäre ist einmalig und bietet genug Platz für pyrotechnische Effekte (auch Wasser, Feuer, Krach). Dafür braucht man aber Dunkelheit, also finden sie erst spät statt (22:30). Und morgen muss man früh aufstehen, aber was soll`s, es wird schon.
Gestern habe ich zwei Auftritte, den Baum und ein Wandertheater (Bild 5) gesehen. Heute gehen wir zusammen und planen drei weitere Darbietungen zu besuchen, einschließlich der nächtlichen Freilichtbühne.
Nachtrag um Mitternacht:
Der Abend ist vorbei. Wir haben einen wunderschönen Balanceakt gesehen. Die versprochenen Eindrücke waren wirklich nicht übertrieben. Der selbe Künstler hat uns später, zur nächtlichen Stunde, auf der Freilichtbühne einen lustigen, malerischen und lebendigen (er selbst) Springbrunnen gezeigt.
Das Baum-Projekt hat das Publikum dieses Jahr nicht überzeugt, es war etwas eigenartig und farblos. Die Leute sind kurz stehengeblieben, geschaut und weitergegangen. Na, vielleicht wird es nächstes Jahr wieder schöner.
Bei der Gelegenheit haben wir eine neue Parkmöglichkeit „entdeckt“, die Tiefgarage am Stadthaus, die ab 19:00 offen und kostenlos steht. Wir sind in die wohl geheimen Katakomben der Stadt abgefahren. Wir wussten gar nicht, dass in der Erde unter Heppenheim auf mehreren Ebenen sooo viel Platz ist!
Gassensensationen und das Leben (Samstag, 11.07.09):
heute habe ich Dienst gehabt und musste abends unbedingt in unser Büro, das Mitten in den Absperrungen liegt. Der Ordnungshüter registrierte meine Fahrabsicht mit schiefem Blick.
„Ich muss unbedingt ins Büro, für 10 Minuten“
„Das ist aber ungünstig, wegen den Gassensensationen“
„Ich arbeite mit Kranken, das ist noch ungünstiger. Ich stelle das Auto vor Ihrem Auge da vorne ab, ist das in Ordnung?“- der Ordnungsmensch konnte so einer netten Krankenschwester die Bitte nicht abschlagen.
Aber ehrlich: wir beide würden doch viel lieber auf den Freilichtbühne sitzen, oder?