HEPPENHEIM.
120.000 Menschen kommen nach ,,Vettelheim"
Homerun: Formel-1-Pilot auf dem Parkhof im Gespräch mit Chefredakteur Jörg Riebartsch und Sportredakteur Udo Döring
Im Gespräch: ECHO-Chefredakteur Jörg Riebartsch und Sebastian Vettel. Foto: Hans Dieter Erlenbach
Beim Auftritt von Sebastian Vettel in seiner Heimatstadt Heppenheim standen am Sonntag die 450 Gäste des Medienhauses Südhessen (ECHO) in der ersten Reihe. Mit viel Applaus wurde Vettel kurz nach 12.30 Uhr auf der ECHO-Bühne an der Parkhofstraße begrüßt, bevor Chefredakteur Jörg Riebartsch und Sportredakteur Udo Döring den Formel-1-Star vorstellten. Im Verlauf der Talkrunde erfuhren die Gäste vieles, was trotz Vettels großer Popularität neu war. Doch es war nicht nur Vettel, der als Interviewpartner von Riebartsch und Döring interessante Einblicke in die Welt des Motorsports gewährte. Außer Vettel standen der DTM-Pilot Mattias Ekström, Motorrad-Stunt-Weltmeister Chris Pfeiffer und der Sänger Smudo von den ,,Fantastischen Vier" Rede und Antwort. Ähnlich locker wie Vettel trugen sie zu Information und Unterhaltung bei.In vielen aufschlussreichen Antworten überzeugte Vettel die Zuhörer davon, dass sein sportlicher Weg nicht so einfach war, wie es für Außenstehende erscheint. Vom drei Jahre alten Kart-Fahrer über das Abitur am Starkenburg Gymnasium bis zum Vizeweltmeister der Formel 1 im Alter von 22 Jahren mussten er und seine Familie viele Hindernisse - auch finanzieller Art - aus dem Weg räumen. ,,Mein Weg war nicht einfach. Jeder schreibt seine eigene Geschichte", sagte er auf eine entsprechende Frage von Riebartsch.
Ehrengäste beim ECHO-Podium erlebten Sebastian Vettel aus nächster Nähe. Foto: Hans Dieter Erlenbach
Vettel dankte den Veranstaltern - Kreis Bergstraße und Stadt Heppenheim -
dafür, dass sie die organisatorischen Voraussetzungen für den Homerun
geschaffen hatten. ,,Es war sicher nicht einfach, die halbe Stadt zu
sperren", sagte er. Insgesamt waren mehr als 1000 Helfer aufgeboten. Um
Mitternacht hatten sie damit begonnen, links und rechts der Ludwigstraße
(B 3) Absperrgitter aufzustellen. Doch Vettel gab zu, dass der
Auftritt in der Heimatstadt mit mehr Stress verbunden ist als ein
Formel-1-Rennen - Stress, den er am Sonntag allerdings mit sichtbarem
Vergnügen auf sich nahm.Der Rennfahrer war am späten Samstag in
Heppenheim eingetroffen, weil er noch am Samstag Verpflichtungen in
Österreich zu erfüllen hatte. Dort war er mit einem historischen
Formel-1-Wagen aus dem Jahr 1962 unterwegs, wie er den ECHO-Gästen
erzählte. Deshalb blieb keine Zeit, sich bei Mutter Heike mit dem
geliebten Kartoffelgemüse zu stärken. Vettel berichtete den Zuhörern vor
der ECHO-Bühne, dass für ihn der Sonntag bereits um 7 Uhr begonnen
hatte.
Die Bewohner der Altstadt trauten Ohren und Augen nicht, als sie
in der Morgensonne das Formel-1-Auto Richtung Kirche Sankt Peter rollen
sahen. Von dort fuhr Vettel kurz vor 8 Uhr über den Marktplatz bis in
die Kellereigasse, wo er den Motor abstellte. Anschließend stand er vor
dem Rathaus, um die ersten Autogrammwünsche zu erfüllen. Später trug er
sich im Rathaus in das Goldene Buch ein.
Autogramme musste er auch nach dem Talk auf der ECHO-Bühne schreiben.
Dabei zeigte er sich genauso geduldig und zugänglich wie im gesamten
Verlauf des Tages.
Sebastian Vettel Foto: Hans Dieter Erlenbach
Auf der ECHO-Bühne entschuldigte er sich sogar für den Lärm, den
er am frühen Morgen mit seinem Rennwagen in der Altstadt verbreitet
hatte. Dass Formel-1-Fahrer hart trainieren müssen, dass sie wie
alle Hochleistungssportler auf gesunde Ernährung achten müssen
(,,Handkäs' mit Musik steht nicht auf dem Speiseplan") und dass nicht
nur die Startphase, sondern dass der gesamte Rennverlauf höchste
Konzentration erfordern, all das erzählte Vettel den Ehrengästen des
Medienhauses. ,,Am Ende ist der vorne, der die wenigsten Fehler macht",
sagte Vettel zum Erfolgsgeheimnis im Formel-1-Zirkus. ,,Zu cool zu sein,
wäre falsch", sagte er.
Immer wieder ließ er durchblicken, dass Heppenheim - obwohl er in der
Schweiz lebt - seine Heimat geblieben ist. Das Bekenntnis zur Region
kommt auch auf seiner Homepage zum Ausdruck, wo er in einem Video-Clip
mit dem Mountainbike auf der Starkenburg zu sehen ist. Vettel
verriet seinen weiblichen Fans, dass er in festen Händen ist. Warum
seine Freundin nicht in der Boxengasse oder am Rand der Rennstrecke zu
sehen ist, auch darauf hatte Vettel eine überzeugende Antwort: ,,Es
nimmt auch nicht jeder seine Frau mit ins Büro", sagte er.
Riebartsch und Döring verwiesen darauf, dass der Homerun in
Heppenheim wie ein Vorlauf für den Großen Preis von Deutschland am
kommenden Wochenende zu bewerten ist. Natürlich wünscht sich Vettel die
Pole-Position und danach den Sieg auf dem Motodrom Hockenheim, um im
Kampf um die Weltmeisterschaft weiter mitreden zu können.
Pfeiffer, Ekström und Smudo rundeten das ECHO-Podium ab. Pfeiffer erklärte den
Zuschauern, dass seine Sportart ,,Stuntbike" wenig mit Geschwindigkeit
und viel mit Geschick zu tun hat. Ekström, der Schwede, berichtete,
wie er es mit den Brüdern Michael und Ralph Schumacher zu tun hat. Den
Rekordweltmeister hat er drei Mal in der ,,Race of Champions"
geschlagen. Mit Ralph liefert er sich packende Rennen in der DTM.
Smudo erzählte Riebartsch und Döring, wie er als Musiker zum Rennfahrer
wurde und warum er Niki Lauda verehrt. Seinen Durchbruch als Musiker
datiert Smudo auf das Jahr 1992, als er mit den "Fantastischen Vier"
im Heidelberger Schwimmbadclub auftrat. Zum Motorsport kam er 1997 über
ein Computerspiel. Als Rennfahrer wirbt er für Biotech-Produkte. Sein
Ford fährt mit Biodiesel.Für das Medienhaus Südhessen war es die
vierte Sommerveranstaltung dieser Art. Nach Talkrunden in der Orangerie
in Darmstadt sowie im Landratsamt in Kranichstein war Heppenheim das
erste ,,Auswärtsspiel". In Darmstadt waren beispielsweise die damaligen
Bundesminister Brigitte Zypries und Peer Steinbrück (beide SPD) sowie
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) Riebartschs Talk-Partner.
Sebastian Vettel war somit der erste Gast aus dem nicht-politischen
Bereich.ECHO-Verleger Hans-Peter Bach bestätigte, dass der
Auftritt in Heppenheim die bisher größte Einzelveranstaltung dieser Art
war. ,,Ich habe den Eindruck, unsere Präsentation kommt gut an", sagte
Bach.